Hauswirtschafterin im Winterschlaf?

Die Wintermonate im Blaubeerparadies. Dass die Arbeit außerhalb der Saison auf dem „Bickbeernhof“ alles andere als entspannte freie Tage auf dem Sofa sind, zeigt Hauswirtschaftsbotschafterin Johanna anhand eines ganz normalen Arbeitsalltages.

Autor/in: Johanna

Hauswirtschaftsbotschafterin auf dem Bickbeernhof - © Timo Jaworr

Seit Sommer ist es so weit: Ich habe meinen ersten Job als hauswirtschaftliche Betriebsleiterin ergattert. Auf dem „Bickbeernhof“ in Nienburg/Weser dreht sich alles um die Heidelbeere. Dort bin ich als Küchen-/ und Serviceleitung für die Personalplanung zuständig. Ein weiteres Aufgabenfeld ist die Warenwirtschaft. Hierbei dreht sich alles um das Bestellen, Planen und Steuern des Warenein- und ausgangs.

Wie es dazu kam? Schon während eines Praktikums in meiner Fachschulzeit habe ich gemerkt: Die Blaubeere und der Bickbeernhof sind meine Welt. Unsere Saison auf dem Hof beginnt im Mai, zunächst nur an den Wochenenden. Ab Juni sind das Hofcafé und der Hofladen jeden Tag geöffnet. Das bedeutet für mich, dass ich in diesen drei Monaten fast täglich vor Ort bin, auch am Wochenende. Ca. 45.000 Gäste besuchen in dieser Zeit unseren Hof. Die Tage sind lang und auch oft anstrengend. Freie Tage sind die Ausnahme. Das ist normal, da die Blaubeere von Juli bis ca. September Saison hat. Die Gedanken an die kürzeren und freien Tage von Januar bis März motivieren mich und geben eine Aussicht auf Erholung.

Winterzeit = Leerlauf?!

Aber was genau passiert nach der Saison? Ehrlich gesagt wusste ich es in diesem Jahr auch noch nicht so richtig. Den Satz, den ich jedes Mal zu hören bekomme, ist jedenfalls folgender: „Was machst du dort jetzt eigentlich? Es ist doch nichts mehr los?!“ Klar gibt es nach der Saison auch eine Phase, in der wir alle einmal eine lange Pause machen. Diese fällt meistens in den Januar, denn es müssen Überstunden abgebaut werden. Auch die restlichen Tage sind ruhiger als in der Saison. Dennoch beschreibe ich euch jetzt am Beispiel eines Tages, was alles in der Zeit anfällt, wenn „so gar nichts mehr los ist“.

Neue Aufgaben entstehen oft spontan

Ein normaler Tag im November: Ich starte meinen Tag mit dem Überprüfen der E-Mails. Gleich blinken fünf ungelesene Nachrichten auf – alles Bestellungen über unseren Online-Shop. Dort gibt es selbsthergestellte Produkte, wie z.B. die „Bio-Blaumelade“ und „Bio-Beerenkompott“. Zunächst schreibe ich dazu die Lieferscheine und Rechnungen, schnappe meine Jacke und laufe zu der landwirtschaftlichen Halle, in der alle Bestellprozesse abgearbeitet werden. Lieferschein für Lieferschein wird genau gelesen und anhand dessen das Paket zusammengestellt.

Zurück im Büro angekommen erhalte ich einen Anruf: 20 Weihnachtspakete sollen zum nächsten Tag gepackt werden. Abholung erfolgt vor Ort. Also wieder in den Hofladen. Ich starte mit den 20 Paketen, hole noch Grün von draußen für die Deko und schreibe Rechnung und Lieferschein. Darauf folgt ein Termin mit dem Vertreter einer Reinigungsfirma, um für das nächstes Jahr Verbesserungen an unserem Hygienekonzept planen und vornehmen zu können. Mein Arbeitstag endet mit einem Bewerbungsgespräch, dem Beantworten von Mails und der Bearbeitung der Post.

Vorteil der Wintermonate? Zeit für neue Ideen

Ein wichtiger Vorteil ist, dass in den Wintermonaten Zeit ist, um sich zu verbessern. Wir können neue Projekte planen und die nächste Saison vernünftig vorbereiten. Während der Blaubeer-Ernte ist häufig wenig bis keine Zeit, sich um die Verbesserung des Hygienekonzepts, das Planen neuer Projekte oder andere Dinge zu kümmern. Das holen wir in den Wintermonaten nach. Neue Veranstaltungen werden ausgearbeitet, neue Maschinen angeschafft oder gewartet und neue Produkte entwickelt.

Mittlerweile kann ich die Frage „was ich denn im Winter so mache?“ sehr gut beantworten. Bis zur nächsten Saison habe ich noch viele weitere Ideen, den Winter mit etwas mehr Leben zu füllen: Zum Beispiel mit einer Glühweinverkostung?! Auch ein Thema, welches sich noch auf meiner To-Do-Liste befindet…